Ein Steuerbeamter erzählt …

Alle Jahre wieder: die Weihnachtsgeschichte. Aber wie erzählt man diese Geschichte, die doch eigentlich schon jeder kennt? Zum Beispiel in vier Teilen aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht eines Steuerbeamten, eines Gastwirtes, eines Hirten und eines Wissenschaftlers. Im ersten Teil wird der Beginn der Weihnachtsgeschichte aus Sicht eines Steuerbeamten erzählt. Die Geschichte ist geeignet für Kinder ab 6 Jahren.

Mein Name ist Sigirius, ich bin Steuerbeamter und arbeite für den Kaiser Augustus. Normalerweise sitze ich an meinem Schreibtisch und hoffe darauf, dass es bis zum Feierabend um 15:00 Uhr möglichst wenig zu tun gibt. Leider möchte Kaiser Augustus unbedingt eine Volkszählung durchführen. Er möchte genau wissen wie viele Menschen in seinem Reich leben und wie groß ihr Besitz ist. Was das für mich bedeutet könnt ihr euch sicher vorstellen: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Und das alles nur weil es in unserem schönen Land so viele Menschen gibt, die keine oder zu wenig Steuern bezahlen. Damit nicht mehr geschummelt wird gibt es jetzt eine große Volkszählung. Alle müssen mitmachen. Und für mich bedeutet das: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Möchtet ihr wissen, wie so eine Volkszählung funktioniert? Eigentlich ganz einfach: jeder muss in die Stadt gehen, in der er geboren wurde und sich dort bei einem Steuerbeamten melden. Die Steuerbeamten zählen die Menschen, die zu ihnen kommen und schreiben genau auf wie viel Besitz jeder hat. Danach müssen dann die Steuern bezahlt werden. Für mich und meine Kollegen – das könnt ihr euch sicher vorstellen – bedeutet das: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Wir müssen Listen führen, Zahlen zusammenzählen und alle Bürger müssen einzeln bei uns vorsprechen. Das bedeutet: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Und dann gibt es natürlich plötzlich viele Menschen, die Steuern bezahlen müssen. Dazu muss Geld gezählt, Belege geschrieben und Formulare ausgefüllt werden. Das bedeutet für mich: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Zugegeben für all die Menschen, die plötzlich in ihre Heimatstadt zurückkehren müssen um sich zählen zu lassen ist das auch kein Zuckerschlecken. Ich habe da zum Beispiel ein junges Paar kennengelernt. Die beiden müssen von Nazaret bis nach Betlehem wandern. Das ist eine ganz schön lange Strecke. Aber das Beste kommt noch: die Frau war schwanger. In diesem Zustand sollte man wirklich keine lange Reise unternehmen. Immerhin hatten die beiden einen Esel dabei. Aber glücklich sahen die beiden nicht gerade aus. Die Reise war für beide sehr anstrengend. Ich habe ihnen gleich erzählt, dass ich diese Volkszählung auch keine gute Idee finde. Schließlich bedeutet die Zählung für mich nur: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Aber zurück zu dem jungen Paar. Wie haben die beiden nochmal geheißen? Martha und Johannes? Nein! Maren und Jürgen? Nein! Marina und Jens? Nein! Jetzt fällt es mir wieder ein: Maria und Josef. Die beiden hat es wirklich hart erwischt mit dieser Volkszählung. Aber da hilft kein mosern oder murren. Was der Kaiser befiehlt, dass muss getan werden. Sonst kann man mit saftigen Strafen rechnen. Da müssen wir jetzt alle durch. Wobei ich natürlich am Ärmsten dran bin. Denn so eine Volkszählung bedeutet für mich natürlich: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Wie auch immer. Maria und Josef haben mir sehr Leid getan. Ich habe ihnen für ihren weite Weg auf dem Esel noch eine warme Decke und ein großes Vesper mitgegeben. Ich hoffe die beiden kommen möglichst schnell und sicher nach Betlehem. Und hoffentlich kommt das Kind noch nicht so schnell. Das wäre ja noch schöner. Unterwegs ohne Dach über dem Kopf ein Kind zu bekommen. Nun gut. Jetzt muss ich aber wieder zu meinen Akten. Die wollen schließlich gewälzt werden. Für mich heißt das: Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit.

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